Start Allgemeines „Blasenbildung am US-Immobilienmarkt“

„Blasenbildung am US-Immobilienmarkt“

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Die Hauspreissteigerungen der vergangenen ein bis zwei Jahre sind die mit Abstand höchsten im Verlauf der vergangenen 47 Jahre. Kein Wunder also, dass Warnungen vor einer Blasenbildung lauter werden. Eine Blasenbildung am US-Immobilienmarkt ist an extremen Preissteigerungen, hohen Bewertungen und spekulativen Exzessen zu erkennen, schreibt Prof. Dr. Jan Viebig, Chief Investment Officer beim deutsch-französischen Finanzdienstleister Oddo BHF, in seinem aktuellen Marktkommentar.

Der Anstieg der Häuserpreise um 43 Prozent von dem Niveau vor der Pandemie Ende 2019 bis Mai 2022 könnte das erste Anzeichen für eine Blasenbildung am US-Immobilienmarkt sein, so Viebig. Der Grund: auf längere Sicht müssen Immobilien bezahlbar bleiben. Der durchschnittliche Preis für Einfamilienhäuser liegt nach Angaben der National Association of Realtors (NAR) aktuell bei 421.000 US-Dollar (Stand Juni 2022) oder dem 7,5-fachen der verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen.

Ein weiteres Anzeichen für eine Blasenbildung seien die vermehrten spekulative Aktivitäten am US-Immobilienmarkt. Nach ATTOM, einem Datenanbieter für den Immobiliensektor, ist die „Home Flipping Rate“ seit dem Frühjahr 2021 kontinuierlich bis auf 9,6 Prozent im ersten Quartal 2022 gestiegen, von rund sechs Prozent in den Jahren seit der Finanzkrise. Viebig: „Mit anderen Worten: eins von zehn verkauften Häusern wurde kurzfristig, nach durchschnittlich 161 Tagen weiterverkauft.“

Die stark gestiegenen Immobilienpreise, die hohe Bewertung der Immobilien relativ zu den durchschnittlichen Einkommen und erste spekulative Exzesse deuten auf eine Blasenbildung am US-Häusermarkt hin, so der Experte. „Wir erwarten keine Krise am US-Immobilienmarkt wie in den Jahren 2008/2009, da die Rahmenbedingungen heute andere sind, sondern eine deutliche Abschwächung der Preisentwicklung am US-Häusermarkt. Angesichts der hohen Verbraucherpreisinflation und der Blasenbildung am Immobilienmarkt wird die Federal Reserve die Leitzinsen weiter anheben müssen. Die höheren Leitzinsen wiederum werden die Preisentwicklung am Immobilienmarkt dämpfen und zu einer Abkühlung des volkswirtschaftlichen Wachstums in den Jahren 2022 und 2023 beitragen. Viele Investoren am US-Immobilienmarkt werden wiederum lernen, dass Immobilienpreise nicht beständig steigen. Das ist die eigentliche, oftmals vergessene Lehre aus den Jahren 2008/2009“, schreibt Viebig abschließend. (DFPA/JF1)

Oddo BHF ist eine deutsch-französische Finanzgruppe, die in Frankreich und Deutschland in den Bereichen Private Wealth Management, Asset Management und Corporates & Markets aktiv ist. Das Unternehmen verwaltet ein Kundenvermögen von über 125 Milliarden Euro.

www.oddo-bhf.com